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Journal

Tuesday,Jun 9 2009, 07:28:35 AMKorsika - Mai 2009 / Teil 1

Korsika / 29.04.-10.05.2009 - Teil 1

Als zum Jahresanfang die ersten Pläne Richtung Motorradurlaub gingen, hatte ich (wie üblich) eher die Sommermonate im Fokus. Da mein Kollege wie immer die ersten 4 Wochen der Sommerferien in Urlaub fährt und Jessica danach für 8 Wochen ein Praktikum macht, stand der Monat Juni schnell ganz oben auf dem Zettel.

Leider stellte sich damit auch recht schnell heraus, dass ein gemeinsamer Urlaub mit Daniel (wie die letzten beiden Jahre) nicht klappen wird. Das Semester endet erst Mitte Juli, somit bekamen wir unsere Kalender nicht unter einen Hut.

So begann ich etwa Anfang März damit, mich mal in diversen Foren "umzuhören", bei den Netbikern gibt es immer einige Urlaubsfahrten im Angebot und schnell fand ich auch 2 Gruppen, die nach Norwegen fahren wollten. Das weckte mein Interesse, schließlich steht Norwegen auch noch auf meiner "to do"-Liste!

Gerade als die Planungen intensiver werden sollte, bekam ich plötzlich am 20.03. von Tommy zugezwitschert, dass sein Arbeitskollege Uwe (wir drei waren 2004 zusammen in den Alpen, zumindest anfangs) im Mai gedenkt, mit dem Bock nach Schottland zu fahren...!

Eine kurze Nachfrage ergab, dass Uwe von Ende April bis etwa Mitte Mai "frei" hat, da seine Frau und die Töchter zur "Mutter/Kind-Kur" sind. Die Planungen waren noch ganz am Anfang und Uwe war gerade im Begriff mögliche Mitfahrer auszumachen.... Na, da hatte er doch ganz schnell einen gefunden!

Wie sich herausstellte schwankte Uwe in der Zielwahl noch zwischen Schottland und Korsika, beides Ziele, die ich auch noch anfahren wollte! Da man von unseren Gefilden aus relativ schnell nach Schottland kommt (Fähre z.B. ab Amsterdam), reicht im Prinzip eine Woche Zeit, um so einen Urlaub umzusetzen. Da Uwe aber gerade bei der Zeit sonst recht eingeschränkt ist, wollte er die anstehende Urlaubsperiode auch möglichst ausnutzen. Für 2 Wochen würde er die nächsten Jahre wohl kaum wieder auf's Mopped kommen. Also fiel die Wahl schließlich auf Korsika, da allein die Anfahrt schon länger dauert und daher die Mittelmeerinsel insgesamt mehr Zeit benötigt als Schottland.

OK, das Ziel war gefunden, der Zeitrahmen abgesteckt... es konnte also mit der genaueren Planung begonnen werden! Zunächst musste noch das WIE der Anreise geklärt werden. Ich bin ja schon seit Jahren Fan des Autozuges, der einen über Nacht dem möglichen Zielgebiet deutlich näher bringt. Uwe hingegen ist eher Freund des "wenn Moppedurlaub, dann auch nur mit Mopped". Da ich mit meiner verkleidungslosen Hornet sicher nicht ganze Tage über die Autobahn brettern wollte, andererseits man bei dem Zeitfenster auch nicht beide Strecken überland abfahren konnte, machten wir den Kompromiss: Ein Weg fahren wir selber, den anderen lassen wir uns (zum Teil) fahren. Als nächstes war zu klären, von wo wir die Überfahrt angehen. Auf dem Papier gibt es diverse Möglichkeiten von Frankreich und Italien aus, nach langem Studium der Fahrpläne, Preise und Anschlussmöglichkeiten mit dem Autozug (Terminal Alessandria) kamen wir zu folgenden Lösung: Hinfahrt in 3 Tagesetappen bis Savona, dann die Nachtfähre nach Bastia, eine Woche später die Mittagsfähre von Bastia nach Livorno um dann noch einen Tag für die italienische Küstengebiete und Apenninen zu haben.

Bei der Buchung der Fähre stellte sich heraus, dass man wohl ein Fahrzeug mit mehreren Personen zusammen buchen kann, allerdings nicht 2 Fahrzeuge gleichzeitig. Im Gegenzug werden auch bei der Unterkunft nicht etwa einzelne Betten (wie im Autozug) geordert, sondern Kabinen. Dabei stellte sich auch heraus, dass 2, 3 und 4-Bett Kabine alle die gleichen Preise haben. Somit buchte ich neben meinem Mopped noch eine 4-Bett Kabine zur Überfahrt (118€), bei Uwe's Ticket hingegen kein Quartier dazu (60€), in der Hoffnung, dass die angegebenen Infos mit den Kabinen ("Bucht eine Person eine Kabine, steht sie ihr exklusiv zu") auch stimmen!

Die Rückfahrt nach Livorno war tagsüber, also braucht man bei der Fähre auch keine Kabine, wir zahlten pro Person gut 17€. Schien auf jeden Fall ein Schnäppchen zu sein. Unsere Reederei war Corsica Ferries und ich buchte im Internet bei DirectFerries.

Als letztes blieben noch die einzelnen Etappen abzustecken, zunächst einmal die Anfahrt. Die Fahrstrecke war so schon lang genug, also blieb ein möglichst direkter Weg erste Wahl, bedeutet also im Prinzip durch die Schweiz. Das war schon einmal gar nicht so leicht, weil man Ende April nicht so einfach mal eben durch die Alpen fahren kann. Alle höheren Pässe sind zu dieser Jahreszeit noch geschlossen und Tunnel gehören meist zum Autobahnnetz, für das man eine Vignette benötigt (in CH nur Jahresplaketten!).Die Möglichkeiten ohne Tunnel (St. Moritz/Malojapass, Simplonpass) fielen schnell heraus, weil dafür einfach zu große Umwege nötig wären. Somit blieb die Fahrt durch den Großen St. Bernhard-Tunnel und Aostatal, da sich in diesem Tunnel auch die Landesgrenze CH/I befindet und er somit nicht zum schweizer Nationalstraßennetz gehört, d.h. man bezahlt eine direkte Maut bei der Durchfahrt. Die grobe Route war also abgesteckt und jetzt blieben nur noch mögliche Quartiere übrig. Die Gesamtstrecke wurde also in 3 Teilabschnitte unterteilt. Die erste Etappe würde irgendwo im Bereich zwischen Odenwald und Schwarzwald enden, da fiel mir gleich Csibi von den Hornet-Freunden ein, der in dem Gebiet wohnt. Nach kurzem Mailaustausch stand auch fest: Wir konnte bei ihm in Bretten (nördlich von Pforzheim) übernachten. Das nächste Quartier sollte irgendwo im Bereich frnzösich-italienisch-schweizer Grenzgebiet sein. Bei diversen Hotelsuchen blieb ich schnell in dem kleinen Örtchen Leysin hängen, in dem es einige recht günstige B&B-Hotels gibt. So ergaben sich Tagesetappen von rund 450km, also gut zu schaffen. Der Rückweg führte uns zunächst nach Livorno, von wo wir dann noch ein Stück weiter nach Norden fahren wollten um dann in der Nähe von La Spezia ein Quartier zu beziehen. Hier fand ich in Borghetto di Vara ein nettes B&B-Hotel, welches ich auch gleich buchte, da bei dem Anbieter nur eine kleine Anzahlung nötig war. Die letzte Etappe sollte uns dann am Cinque Terre vorbei und durch den Apennin bis nach Alessandria führen. Damit war die Vorplanung abgeschlossen und es konnte losgehen...!

 

Mittwoch, der 29.04.

Es war soweit, es ging los! Die Wetteraussichten waren allerdings eher bescheiden. Naja, es ging zumindest erstmal trocken los. Durch den morgendlichen Bielefelder Berufsverkehr quälte ich mich Richtung A33 um flott zu Uwe nach Borchen zu kommen. Dort angekommen (fast pünktlich) frühstückten wir erst einmal ordentlich und dann fuhren wir weiter Richtung Sauerland. Danach ging es quer durch den Vogelsberg und dort natürlich über Teile des Schottenrings. Leider war es danach vorbei mit dem trockenen Wetter. Es fing leicht an zu regnen... Zum Glück blieb es überwiegend bei leichterem regen, so dass wir trotzdem noch gut voran kamen. Im Spessart wurde der Regen zwischenzeitlich etwas stärker, aber auch das blieb im Rahmen. Es folgte der Odenwald und zum Schluss eine kleine Irrfahrt (suche nach einem Imbiss außerhalb des Kartenbereichs), aber das Navi brachte uns dann doch zu Csibi. Kurz vor unserem Zielort klarte es sogar auf und in Bretten hatte es sogar gar nicht geregnet!

Pause im Odenwald:

  

 

Wir stellten unsere Böcke in Csibi's Garage und brachten unseren Kram in die Wohnung, danach fuhren wir nach Oberderdingen (Nachbarort) um etwas zu essen. Ein nettes Gasthaus im Zentrum bietet dort gute und günstige Speisen an, zumal in ordentlichen Portionen. Mein besonderes Interesse weckte das "große" Cordon Bleu, von dem Csibi sprach. Auch der Hinweis, das die normale Variante schon alles andere als klein ist, schreckte mich nicht ab, nicht mal die Nachfrage der Kellnerin beim bestellen ("Sicher das Große?")... ich war neugierig. Zu Essen bekam ich dann das:



Nein, ich habe nicht alles aufgegessen... der jugendliche Ehrgeiz ist inzwischen weg, zumal ich auch weiß, wie man sich dann den Rest des abends fühlt.

Wir ließen den Abend noch mit einigen Bierchen in Csibi's Wohnung ausklingen und legten uns dann auf die dicken Luftmatratzen schlafen.

 

Die Tagestour: 522,72 km, Fahrzeit 7h04:43, Ø 75,05 km/h, die Route für GoogleEarth (KMZ)


Das Höhenprofil der Strecke:


Die Fotos des Tages beginnen hier.

 

Donnerstag, der 30.04.

Wir standen zeitig auf, zum Einen musste Csibi arbeiten, zum Anderen hatten wir auch an diesem 2. Tage eine ordentliche Strecke vor uns! So verabschiedeten wir uns nach dem Verladen unserer Sachen und machten uns auf den Weg. Vielen Dank noch einmal an dieser Stelle an Csibi für das Quartier und den netten Abend, wir sehen uns auf dem Hornet-Treffen!

Nachdem wir die ersten Kilometer bis Pforzheim hinter uns gebarcht hatten kamen wir in den Schwarzwald. Diesen durchfuhren wir ziemlich komplett von Nord nach Süd... wirklich sehr schön. Es ist doch schon etwas anderes als die meisten (deutlich flacheren) Mittelgebirge, wirklich klasse zum Fahren! Zwar war es an diesem Tage auch wieder oft wolkig, aber es sollte den ganzen Tag trocken bleiben!

Weiter ging es in die Schweiz, dort mieden wir natürlich die Ballungsräume und fuhren etwa mittig zwischen Bern und Luzern hindurch bis zum Südufer des Thuner Sees, dort ging es dann im Simmental auch endlich in alpine Höhen, so langsam tauchten Schneereste am Straßenrand auf. Auf dem Col des Mosses erreichten wir kurz vor unserem Ziel auch das Dach des Tages (1445m).

In Leysin angekommen bahnten wir uns durch die Spernetinen im Ort (der deutlich oberhalb des Tals am Berg liegt) den Weg zu unserem Angepeilten B&B-Hotel Les Airelles. Ein großes, etwa 100 Jahre altes Haus ziemlich weit oben im Ort, durch das man sich erst einmal den Weg bahnen musste. Unten im Souterrain ging es herein, an zwei freundlichen Hunden vorbei zum Erdgeschoss...nix. Weiter in die erste Etage... auch nix. Halt... doch! Eine Kligel auf einer Kommode mit dem Hinweis, dort zu läuten. Kaum geschehen war von der Etage oberhalb eine freundliche Stimme zu hören, die in einem singenden Englisch ihr Kommen andeutete. Wie sich herausstellte, leitet ein freundliche Frau Ende 50 das Haus, die ursprünglich aus Chicago stammt. Trotz eines kleinen Aufpreises entschieden wir uns für ein Zimmer mit Balkon, ganz oben unterm Dach. Spätestens die Aussicht auf das Tal bei Aigle und weit entfernt Richtung Mont Blanc-Massiv entschädigt für die 5€ Mehrkosten!

Unser Zimmer und das Panorama:

  

Nachdem  wir also unseren Raum bezogen hatten und wir in die Örtlichketen eingewiesen wurden (Frühstücksbuffet etc.), gingen wir zur Bahnhofsgaststätte (an der Zahnradbahn aus dem Tal). Wir waren ja komplett neben der Saison, somit hatten viele Restaurants noch nicht auf, zudem liegt das schweizer Preisniveau auch deutlich über dem heimatlichen. Somit folgten wir dem Tipp unserer Gastgeberin zu einer simplen Pizza. Von dort nahmen wir uns dann noch 2 Bierchen mit um diese bei tollem Panorama auf dem Balkon zu genießen.

Die Tagestour: 502,05 km, Fahrzeit 7h:04:43, Ø 70,42 km/h, die Route für GoogleEarth (KMZ)

 

Das Höhenprofil der Strecke:

Die Bilder des Reisetages gibt es ab hier.

 

Freitag, der 01.05.

Der dritte und letzte Transittag brach an und da wir am letzten Abend schon bezahlt hatten, hieß es also schnell frühstücken und los. Wir machten uns also in der wohnzimmerartigen Umgebung an die Nahrungsaufnahme. Anfangs waren wir die einzigen dort, somit konnte natürlich einer der Haushunde nur bei uns zuschauen.

Frühstücks- und Nachbarraum:

  

 

 

Danach packten wir unsere Sachen zusammen und machten uns auf den Weg gen Italien. Zunächst ging es in's Tal und dann weiter Richtung großer St.Bernhard. Hierzu namen wir allerdings nicht die Hauptstraßen, sondern fuhren durch die Gorges du Durnand und den Skiort Champex. Auf der Passhöhe bei einer Pause sahen wir dann in der Tat noch eine Skifahrerin.

Weiter ging es dann wieder auf die Transitstrecke Richtung Tunnel. Kurz vor der Einfahrt tankten wir noch einmal den vergleichsweise günstigen schweizer Sprit und ab ging es. Zunehmend wurde es kühler und auch der Schnee am Straßenrand wuchs langsam höher. Uwe hatte bis zum Tanken immer noch die Hoffnung, dass der Pass womöglich offen wäre und wir eventuell nicht doch über den Berg fahren könnten. Ein Hinweisschild kurz vor der Tunneleinfahrt brachte dann aber die erwartete Gewissheit. Die Tunneleinfahrt befindet sich auf knapp 1900m Höhe, so langsam wurde es wirklich kühl und so kam die Tunneleinfahrt auch ganz gelegen. Etwa 15min und 6km später spückte uns das schwarze Loch auf italienischer Seite wieder aus. In schnellen Schwüngen windete sich die Straße ins tal und sofort wirkte alles deutlich wärmer und sommerlicher. Obwohl nur weniger km auseinander, ist das Klima südlich des Alpenhauptkamms doch deutlich milder!

Nach der Fahrt durch Aosta ging es auf die recht öde Strecke durch das lange Tal. Zu unserer Freude stellten wir fest, dass der 1. Mai auch in Italien ein Feiertag ist, so blieben und wenigstens die sonst auf dieser Strecke üblichen LKW-Kolonnen erspart! Ab Ivrea verabschiedeten sich die Berge hinter uns und wir fuhren ins Flachland, bis es zwischen Chivasso und Asti langsam wieder hügeliger und kurviger wurde. Dann verschwand auch der bisher immer noch weit im Westen hinter Turin sichtbare Alpenkamm mit seinen weißen Gipfeln.

Als wir nach vielen kleinen Nebenstraßen bei Carcare wieder auf die Hauptstraße kamen wurde uns sehr schnell klar, was das Motorrad in Italien für einen Stellewert als normales Verkehrmittel hat! Als würden wir uns in der Anfahrt zu einem großen Motorradtreff (z.B. Brocker Mühle) befinden war etwa jedes 4. Fahrzeug ein Mopped! Dieses Bild änderte sich auch in den Straßen von Savona nicht und als wir in den Fährhafen einfuhren änderte sich das Bild natürlich auch nicht. Es stand schon eine lange Schlange von Motorrädern im Einfahrbereich und wartete auf die Verladung. 

Pause am Skigebiet und unsere Fähre (Mega Smeralda):

  

Nachdem die Maschinen im Bauch des Schiffes vertäut waren scheckten wir ein und bezogen unsere Kabine. Kurz aus den Klampotten raus und dann erst einmal auf Entdeckunsreise gehen! Das Schiff wirkkte noch recht neu und modern, hatte ein Kinderparadies, kleine Shops, ein Disco und diverse Restaurants und Self-Services. Da wir ja auch hier Feiertag hatten, konnten wir entsprechend vorher nicht mehr etwas Verpflegung einkaufen. So gab es halt die günstige Bordverpflegung: Ein Stück Pizza (Preis OK) und eine große Flasche korsisches Bier (0,75l Pietra) mit Korken zu 9€ (unfassbar!). Schnell kamen wir auch mit unseren bayrischen Tischnachbarn in's Gespräch, welches wir später nach Beginn der Überfahrt am Oberdeck fortsetzten.

Korsisches Bier in einer Weinflasche und Benzingespräch an Deck:

  

Danach machten wir es uns in unsere Kabine bequem und freuten uns auf den nächsten morgen.

Die Tagestour: 413,65 km, Fahrzeit 6h36:21. Ø 51,73 km/h, die Route für GoogleEarth (KMZ).

Das Höhenprofil der Strecke:

 

Fotos des Tages gibt es ab hier.

Weiter zu Teil 2 des Berichts...

 

 

 

 


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